Yasmina Filali verbrachte viele Jahre in einem Kinderheim. © picture alliance/AAPimages/Timm
Yasmina Filali hat über ihre traumatische Kindheit voller Gewalt und Vernachlässigung gesprochen. Sieben Jahre verbrachte sie in einem Hamburger Heim – die Erlebnisse dort verfolgen die 50-Jährige bis heute.
Schauspielerin Yasmina Filali hat in einem Interview mit der "Bild" erstmals ausführlich Einblicke in ihre Kindheit gegeben. Die heute 50-Jährige sei gerade einmal zweieinhalb Jahre alt gewesen, als ihr Vater die Familie verliess. "Er war weg und hat alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war." Ihre Mutter habe kurz darauf durch ein gegenüberliegendes Fenster Teile des Hausrats wiederentdeckt – der Vater war mit seiner neuen Partnerin direkt in die Wohnung gegenüber gezogen. "Das war so kaltblütig von ihm", so Filali.
Nach der Trennung habe ihr Vater den Kontakt zu seiner Tochter eingeklagt, um ihrer Mutter zu schaden. "Als ich sechs Jahre war, musste ich jedes zweite Wochenende zu ihm, obwohl ich das nicht wollte." Zeit habe er mit ihr dabei nicht verbracht, sondern meist seinen Rausch ausgeschlafen. Ihr Vater und dessen Partnerin seien "kurz hintereinander an den Folgen des jahrelangen Alkoholmissbrauchs gestorben. Er war gerade einmal 59 Jahre alt".
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Als Zehnjährige habe es Filali nicht mehr ausgehalten. "Ich bin abgehauen. Ich dachte, ich verstecke mich mal dort, wo richtig viel los ist – nämlich auf der Reeperbahn", berichtete sie. Die Polizei habe sie dort aufgegriffen und in ein Übergangsheim gebracht. Zurück nach Hause habe sie nicht gewollt. "Es war meine Entscheidung, mein Zuhause zu verlassen." Kurze Zeit später sei sie in eine feste Einrichtung gekommen, wo sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr geblieben sei.
Die Zustände in der Einrichtung seien laut Filalis Beschreibungen erschütternd gewesen. "Es gab Geschrei, Gejammer, Gewalt, Drogen und Alkohol, das kannte ich bis dato gar nicht." Besonders ein Erlebnis habe sich bei ihr bis heute eingeprägt: "Eines der ersten Traumata war, als man mir im Schlaf mit einem Telefon meine vorderen Zähne und meine Nase eingeschlagen hat. Es gab keinen Anlass dafür." Beide Vorderzähne und ein Schneidezahn seien abgebrochen, die Nasenscheidewand verletzt worden. Sie habe zwei Operationen über sich ergehen lassen müssen.
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Vorfälle im Heim verfolgen sie bis heute
Das sei auch nicht ihre einzige Gewalterfahrung gewesen. Im Heim habe sie auf die harte Tour lernen müssen: "Entweder bist du das Opfer oder du bist der Täter! Es gibt nichts dazwischen." Irgendwann habe sie begonnen, als Erste zuzuschlagen, um sich zu schützen. "Ich wollte einfach kein Opfer mehr sein."
Die Vorfälle jener Jahre begleiten die 50-Jährige bis heute. "Wenn man einmal aus dem Tiefschlaf so geweckt wird, dann schläft man nie wieder in seinem Leben tief", schilderte sie die Folgen des Übergriffs. Dennoch habe die Zeit im Heim sie auch widerstandsfähiger gemacht. "Wenn ich das Heim überlebt habe, dann kann mich nichts und niemand mehr erschüttern."
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Filali ist seit 2005 mit dem Ex-Fussballprofi Thomas Helmer verheiratet. Das Paar hatte sich im August 2022 getrennt. Im Juni dieses Jahres verkündeten sie, dass sie wieder zusammengefunden haben. Sie haben zwei gemeinsame Kinder: Sunny (16) und Sam (18). (red)
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Verwendete Quelle
- bild.de: 7 Jahre Kinderheim, Gewalt und Polizei (Bezahlinhalt)
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