Pawel Durow: Russland schreibt Telegram-Gründer international zur Fahndung aus

Pawel Durow: Russland schreibt Telegram-Gründer international zur Fahndung aus

  • Russland hat Telegram-Gründer Pawel Durow international zur Fahndung ausgeschrieben.
  • Der FSB wirft Telegram vor, Chats und Bots für die Anwerbung zu Sabotageakten nicht zu sperren.
  • Durow reagierte auf den Haftbefehl mit einem Mittelfinger-Foto auf X.

Russland hat Telegram-Gründer Pawel Durow wegen des Vorwurfs der Unterstützung von Terrorismus international zur Fahndung ausgeschrieben. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft Telegram vor, Chats und Bots nicht zu sperren, die ukrainische Geheimdienste und Terrororganisationen zur Anwerbung von Personen für Sabotageakte und Anschläge in Russland nutzten.

Allerdings sollen auch russische Behörden Telegram verwenden, um Ukrainer für Sabotageakte anzuwerben.

Durow reagierte mit einem auf X veröffentlichten Foto, auf dem er den Mittelfinger in die Kamera streckt. Bereits bei Bekanntwerden der Ermittlungen im Februar hatte er Russland vorgeworfen, Vorwände zu schaffen, um den Zugang zu Telegram einzuschränken und die Privatsphäre sowie die freie Rede zu beschneiden.

Durow verweigerte Datenherausgabe

Russland hat die Kontrolle des Internets seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 massiv verschärft. Telefonate über Telegram werden blockiert, der Dienst wurde zuletzt gedrosselt. Auch andere Internetseiten und Plattformen wurden eingeschränkt oder gesperrt (siehe Box).

Verschiedene Social-Media-Plattformen, darunter Facebook, Instagram und X, wurden in Russland verboten. Der Zugang zu Youtube wurde verlangsamt. Messenger wie Signal und Viber wurden blockiert. Neben Telegram ist auch Whatsapp eingeschränkt. Ein Teil der Sperren lässt sich mithilfe von VPN-Diensten umgehen, doch auch diese werden regelmässig blockiert.

Der Konflikt zwischen Durow und dem russischen Staat reicht weit zurück. Durow gründete 2006 das soziale Netzwerk VKontakte. Als der FSB 2011 die Schliessung oppositioneller Gruppen verlangte, veröffentlichte er die Aufforderung und verweigerte dies. Später lehnte er es ab, Daten ukrainischer Nutzerinnen und Nutzer an den Geheimdienst herauszugeben. Er verlor die Kontrolle über VKontakte und verliess Russland.

Erst sah es Moskau noch als «politische Verfolgung»

Telegram ging 2013 an den Start und sollte einen sicheren Kommunikationskanal bieten, der sich staatlichen Zugriffen weitgehend entzieht. Dies macht Telegram sowohl für oppositionelle Bewegungen in autoritär regierten Staaten als auch für Extremisten und Kriminelle attraktiv.

Nicht nur Russland, auch andere Staaten werfen dem Unternehmen vor, nicht ausreichend gegen strafbare Inhalte vorzugehen.

Durow wurde 2024 in Frankreich festgenommen und später gegen Kaution freigelassen; das Verfahren läuft weiter. Die russische Regierung bezeichnete seine damalige Festnahme noch als politische Verfolgung. Nun geht Moskau selbst mit einem internationalen Fahndungsaufruf gegen ihn vor.

Nutzt du Telegram?

Ja.

Nicht mehr.

Noch nicht.

Nein, und ich habe es auch nicht vor.

Ann Guenter

Ann Guenter (gux), arbeitet seit 2012 als Auslandsredaktorin für 20 Minuten. Seit August 2015 ist sie zudem Chefreporterin International.

Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.