An hunderten Bankomaten in Österreich können Kunden nur noch 200 Euro pro Behebung abheben.
Österreicher gelten als besonders cash-affin. Sogar ein Gesetz zur Annahmepflicht von Bargeld oder Cash im Verfassungsrang ist wiederholt Thema. Doch einzelne Bankomaten spucken plötzlich pro Behebung nicht mehr wie gewohnt bis zu 400, sondern beispielsweise nur mehr 200 Euro aus – es geht um hunderte Geräte österreichweit, bestätigt die Nationalbank der APA, “teilweise niedrigere Abhebelimits”. Um an 400 Euro zu kommen, muss man gegebenenfalls mehrfach hintereinander abheben.
Wien. “Das Abhebelimit von 400 Euro ist ein Standard der österreichischen Banken, an den sich die meisten Marktteilnehmer auch halten. Grundsätzlich ist aber niemand an diesen Standard gebunden”, erläuterte ein Notenbank-Sprecher auf Anfrage. “Unabhängige Anbieter von Geldautomaten haben sich aus geschäftlichen Gründen dazu entschieden, teilweise niedrigere Abhebelimits einzuführen.”
Betreiber verdienen an der Zahl der Behebungen, nicht an deren Höhe
Die etwaigen Limits von manchen Bankomat-Betreibern haben freilich keinen Einfluss auf die Abhebegrenze der jeweiligen kontoführenden Bank. Das heißt, wenn man eine höhere Summe vom Bankomat benötigt, muss man mehrmals hintereinander abheben. Das zeigte auch ein Selbstversuch an einem Bankomat, bei dem durch zwei Abhebevorgänge zu je 200 Euro schlussendlich doch 400 Euro behebbar waren. Der mögliche Sinn dahinter? “Die Betreiber von Geldautomaten verdienen üblicherweise an der Anzahl der Transaktionen, nicht aber am Abhebevolumen”, erläuterte der Notenbanksprecher.
Hunderte von insgesamt 8900 Bankomaten mit niedrigerem Limit
Die Frage danach, an konkret wie vielen Standorten, bei welchen Banken bzw. welchen Betreibern die Limits abgesenkt sind, wollte die Notenbank nicht beantworten. Es geht aber um hunderte Geräte. “Uns ist derzeit ein Betreiber bekannt, der das Abhebelimit durchgehend verringert hat. Betroffen sind davon nach unserem Kenntnisstand mehrere hundert Geräte von insgesamt circa 8900 Geräten in ganz Österreich.”
400-Euro-Limit seit Euro-Einführung nicht an Inflation angepasst
Kann es zu einer Umstellung aller Bankomaten kommen? “Davon gehen wir nicht aus”, sagte der Notenbank-Sprecher dazu. Das 400-Euro-Limit wurde zuletzt (umgerechnet) bei der Umstellung auf Euro aufgerundet, seither nicht an die zuletzt sehr hohe Inflation angepasst. Hier könne auch eine Erhöhung angedacht werden.
Nationalbank sieht geringere Abhebegrenzen “durchaus kritisch”
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) habe hier keine gesetzlich vorgesehene, konkrete Rolle, betonte der Sprecher. “Diese Unterschiede bei den Abhebelimits sehen wir als OeNB durchaus kritisch, weil sie bei den Menschen nachvollziehbarerweise eine gewisse Verunsicherung aufkommen lassen”, sagte er der APA. Im Zuge einer neuen Bargeld-Verordnung, die im Herbst auf EU-Ebene beschlossen werden soll, sei aber die Gründung einer Bargeldbehörde angedacht, was die OeNB begrüße. Denn dadurch sollen Prozesse und Informationen für die Konsumentinnen und Konsumenten verbessert sowie Regelungen harmonisiert werden.
Bei weiteren – nicht repräsentativen – APA-Bankomatentests war es bei der Mehrzahl möglich, wie bisher bis zu 400 Euro auf einmal abzuheben. Beispielsweise gab es bei einem freistehenden, BAWAG-gebrandeten Gerät am Naschmarkt in Wien das 200-Euro-Limit. Bei manch einem Bankomat-Display wurde die Möglichkeit zur Behebung von 400 Euro nicht mehr auf der ersten Seite bei den bekannten Vorschlägen gewisser Summen angezeigt, sondern musste selbst eingetippt werden – persönliche Liquidität vorausgesetzt, damit die eigene Brieftasche, die “Cash-Machine” oder deren Betreiber nicht defizitär überfordert werde.
(APA)